Citykirchen sind als offene und öffentliche Räume der Stadt dazu da,
dass Einzelne, aber auch Gruppen unabhängig von religiösen,
sozialen, und biographischen Voraussetzungen in ihrem innersten Kern
sich als schöpferische Ebenbilder Gottes wieder entdecken, von eigener
oder fremder Entwertung befreit werden und eigene schöpferische
Mög-lichkeiten anfänglich auch ausprobieren.
Citykirchen stellen sich mit einer solchen Orientierung an der
Religion der Einzelnen gegen zwei Fronten: a) sie wehren allem
Fundamentalismus und b) allem amtskirchlichem Herrschaftsgestus. Das hat
methodisch Konsequenzen für die konkrete Gestaltung der Arbeit.
Citykirchen sind als KULT-UR-RÄUME Bühnen für viele, aber nicht für
jeden und nicht für jede (politische oder ideologische) Richtung! Das
Profil einer Citykirche lebt auch von ihrer theologisch und politisch
begründeten und plausibel gemachten Abgrenzung.
Citykirchen sind Orte innerer Befreiung und schöpferischer
Gestaltungsfreiheit in den Interessenkonflikten gesellschaftlicher
Kon-kurrenzkämpfe.
Citykirchen leben in ihrem Jahreslauf vom kirchlichen und städtischen
Festkalender, der exemplarisch dargestellt und inszeniert wird. Dabei
ist das Zusammenspiel von Religion, Ethik und Ästhetik grundlegend. Die
konfessionelle Herkunft der jeweiligen Citykirchenarbeit ist in allem
selbstverständliche Basis, von der aus die Arbeit geschieht. Aber diese
Basis wird in der Praxis immer wieder auch transzendiert werden.
Citykirchenarbeit pendelt in einer produktiven Zone zwischen Heimat und
Fremde, zwischen lokaler und globaler Logik, zwischen Konfessionalität
und Ökumenizität, zwischen Orthodoxie und Häresie, zwischen Tradition
und Zukunftsbezug.
Citykirchen können als Orte innerer Befreiung und schöpferischer
Gestaltungsfreiheit in den Interessenkonflikten gesellschaftlicher
Kon-kurrenzkämpfe nur überleben, wenn sie in ihrer Finanzierung jedenfalls z.T. autonom sind.
Citykirchenarbeit lebt darum aus der
lobpreisenden und dankbaren Antwort auf die Erfahrung erbetener und
geschenkter Gnade, erbetener und geschenkter Auferstehung. So notwendig
die prophetische Kritik immer wieder sein wird, so wichtig die
priesterliche Funktion ist, die schöpferische Kraft Gottes und
der Menschen zu loben und zu preisen überbietet beide notwendigen
Funktionen.