St. Nikolai birgt viele wertvolle Kunstschätze. Sie wurden während des Krieges frühzeitig in Sicherheit gebracht – sie kamen in die Klosterkirche in Bordesholm. So wurden sie vor der Zerstörung gerettet.
Größter Kunstschatz in St. Nikolai zu Kiel ist der Altar aus dem späten Mittelalter. Er gilt auch bei Experten als eine Besonderheit. Der Flügelaltar wurde von einem unbekannten Meister für das Franziskanerkloster geschaffen. Nach dessen Auflösung stellte man ihn 1541 in der Sankt Nikolai-Kirche auf.
Der Altar
Der Altar in der St. Nikolaikirche am Alten Markt in Kiel ist von 1460 und gilt als einer der bedeutendsten und schönsten mittelalterlichen Altäre, die im Norden Deutschlands noch im Gebrauch sind. Wunderbar kunstvoll geschnitzt und gemalt, ist er mehr als 550 Jahre alt, hat Kriege überdauert und Stadtgeschichte gesehen. Generationen von Kielerinnen und Kielern haben vor ihm gebetet, geheiratet und getrauert. Doch dieser Schatz ist schwer bedroht! Wir brauchen Ihre Hilfe, um ihn auch für künftige Generationen zu bewahren.
Die zwei beweglichen Flügel erlauben drei Wandlungen. Die geschnitzte und bemalte Festtagsseite zeigt oben Szenen aus der Passions- und Ostergeschichte Christi und unten aus dem Marienleben. Bei geschlossenen Innenflügeln beschreibt die bemalte Sonntagsseite (heute Advents und Passionszeit) 16 Ereignisse aus dem alten Testament von Noah bis zu den Josephsgeschichten. Der am Karfreitag geschlossene Schrein zeigt sechs FranziskanerHeilige. Im Untersatz, der Predella, befinden sich Darstellungen von acht Propheten.
Das Triumphkreuz (1490)
Der Kruzifixus vor einem großen Balkenkreuz, das mit seinen goldenen Kreuzblumen auf den Sieg des Lebens hinweist. An den Kreuzenden die Symbole der Evangelisten, denen wir die Botschaft von Jesu Tod und Auferstehung verdanken. Das heute den Kirchenraum prägende Triumphkreuz wahrscheinlich in Lübeck geschaffen gehörte ursprünglich mit dem Lettner zur Begrenzung von Gemeinde und Altarraum.
Die Bronzetaufe von Johann Apengeter (1344)
Die Bronzetaufe von Johann Apengeter wurde im Jahr 1344 gemacht. Sie ist sein bekanntestes und bestes Werk. Das Taufbecken steht auf vier bronzenen Löwen. Um das Becken herum sind Bilder aus dem Leben von Jesus zu sehen.
In der unteren Bildreihe ist auch der Heilige Nikolaus als Bischof dargestellt. Früher wurde das Baby bei der Taufe ganz in das Becken getaucht. Die Schale aus Messing ist aus dem 16. Jahrhundert. Seit dem Jahr 1674 hängt ein barocker Deckel aus Holz über der Taufe.
Mittelalterliche Freskomalereien (um 1410)
Der Durchgang von der Turmhalle zur Pommernkapelle führte früher zur Heilig-Kreuz-Kapelle. Dargestellt sind Szenen aus der Legende von der Auffindung des Kreuzes Christi durch Kaiserin Helena, der Mutter Kaiser Konstantins des Großen.
Der Taufaltar (um 1490)
In der neugotischen Nebenkapelle steht der zweite Flügelschrein der Kirche, in dessen Mittelfeld die Taufe Christi dargestellt ist. Auf die Flügel sind innen Bilder der vier Evangelisten, außen vier Heilige gemalt.
Die Kanzel
Die Kanzel ist das Hauptstück der Ausstattung aus der Zelt nach der Reformation und ersetzte eine Kanzel aus dem Jahre 1522. Die tragende Figur des Kanzelkorbes ist Mose mit den Tafeln der Zehn Gebote. Nur diese Skulptur zeigt sich im natürlichen Ton des Eichenholzes, das übrige Holzwerk der Kanzel ist farbig, meist in grauem Ton gefasst. Über der Kanzel breitet sich ein Schalldeckel mit reichem Aufbau, bekront durch den auferstandenen Christus mit der Siegerfahne. Die Figuren in den Nischen der Treppe und des Kanzelkorbes stellen die Apostel dar. Die Kanzeltür dient heute als Portal zum ,,Raum der Stille“, über ihr die Figuren Glaube (mit dem Kelch), Liebe (mit den Kindern), Hoffnung (mit dem Anker).
Das Rantzau-Gestühl (1543)
Erhalten sind von diesem ältesten Ausstattungsstück aus der Zeit nach der Reformation die Gestühlswangen und die Rückwand. Die Reliefs der Wangen zeigen u.a. die Opferung Isaaks, den Sündenfall und die Kreuzigung.
Die Leuchter (16./17. Jh.)
Das Altarleuchterpaar mit drei sitzenden Löwen als Stützen aus der Zeit um 1550. Der große Kronleuchter(1638) zeigt Christus und die Apostel, im Abschluss einen sich opfernden Pelikan.
Der kleinere Kronleuchter(1661) wird von einer Figur des Bischofs Nikolaus bekrönt. Der Wandleuchter von 1655 zeigt St. Georgs Kampf mit dem Drachen. Alle Leuchter sind aus Gelbguss. Die beiden Silberleuchter in der Taufkapelle stammen aus dem Jahre 1702.
Erstes Nagelkreuz aus Coventry kam nach St. Nikolai in Kiel
Den Angriff der deutschen Luftwaffe am 14. November 1940 auf die mittelenglische Stadt Coventry erlebte der dortige Propst Richard Howard unmittelbar mit. Große Teile der Innenstadt und unersetzliche Kulturgüter wurden dem Erdboden gleichgemacht. Auch die Kathedrale wurde größtenteils zerstört. Es war ein tiefer Schmerz für die Stadt Coventry. Doch anstelle von Hass und Vergeltung ließ Dompropst Richard Howard am Tag nach dem Brand mit einem verkohlten Stück Holz den Anfang des ersten Kreuzeswortes Jesu auf die Wand hinter dem Ruinenaltar schreiben: „Vater, vergib“. Für Richard Howard bedeuteten die Worte „Vater, vergib“ die Verpflichtung, dem Feind die Hand zu reichen. Nicht Bitterkeit, Hass oder der Wunsch nach Vergeltung sollten die Zukunft prägen, sondern die Hoffnung auf Versöhnung, Vergebung und Frieden. Als Zeichen dieser Verpflichtung und Verheißung formte Pfarrer Arthur Wales aus drei Zimmermannsnägeln aus den Dachbalken der verbrannten mittelalterlichen Kathedrale ein „Nagel-Kreuz“.
Nach dem Ende des Krieges begann Dompropst Howard die von ihm selbst gesetzte Verpflichtung zur Versöhnung umzusetzen. Dies führte zu einer ersten Städtepartnerschaft Coventrys mit Kiel. Bereits im September 1947 wird dem Propst von Kiel – Propst Lorenzen - für die St.-Nikolai-Kirche das erste Nagelkreuz überreicht. Im Laufe der Zeit kamen andere Städte wie Dresden, Berlin, Münster und viele andere dazu. So entwickelte sich ein Netzwerk für Frieden und Versöhnung, das seit 1974 den Namen Nagelkreuzgemeinschaft trägt. Die Wunden der Geschichte zu heilen, mit Unterschiedenheit zu leben und Vielfalt zu feiern und eine Kultur des Friedens zu schaffen sind dabei die Schwerpunkte der Arbeit. Das Beten des Versöhnungsgebets von Coventry mit dem Ruf „Vater vergib“ ist gelebte und verinnerlichte Praxis dieser Gemeinschaft.